Katharina Aigner feat. Anna Barfuss, Nadine Fraczkowski, Josefin Granqvist

 

I´d like to film there, in my own style of documentary bordering on fiction.
I´d like to shoot everything. Everything that moves me. Faces, streets, cars going by and buses, train stations and plains, rivers and oceans, streams and books, trees and forests, fields and factories and yet more faces.
(from: Chantal Akerman, too far too close, Catalogue, Ludion 2012, p.21)

 

A307_ka_Aushang

 

We digged in our archives. You´ll see short clips, fragments, excerpts, sequences from our daily lives, filmed with our phones during travels, in passing; 
originally not meant to become proper video works these flickering, pixelated, sometimes shaky images, in and out of focus, high sized, show places, strangers, 
intimates, dogs, Laura Mulvey, my sister, mountains, valleys and more. An attempt to expand the projection screen, to look behind and to experience powerful outlooks.
 i
Katharina Aigner, based in Vienna, is mainly concerned with moving image.
Besides her own artistic practice she´s regularly initiating and curating video and film programs.
 i
Anna Barfuss works predominantly with video and text. She is currently writing her dissertation in cultural studies, which deals with hyperfeminine performances in
video and sound. On occasion, she also curates exhibitions that present moving images and sound-based works in various spaces and formats.
Nadine Fraczkowski is a photographer living and working between Paris and Berlin.
  i
Josefin Granqvist is a looker and a romantisizist, carrying with her an ever extensive archive of partly populated fragments and physical factoids.
She was born in Southern Sweden and her back is sore. (no known home)

 

 

Mit dieser Eröffnung gibt A307 ein weiteres mal die Auswahl der ausstellenden Künstlerin ab. Die im Juli 2017 gezeigte Künstlerin – Lisa Kortschak – hat Katharina Aigner ausgewählt.

LE BORD DE LA MER – Nicole Szolga

A307_NS_Ausstellungsansicht_1_WEB

i

i

A307_NS_Plakat_02_WEB

i

i

A307_NS_Plakat_01_WEB

i

i

leborddelamerWEB

A307_ns_Aushang

 

Eine szenische Crossover-Lese- und Videoperformance mit anschließender Film-Präsentation: Der französische Schriftsteller Julien Torma soll, so will es die literarische Legende, in den Tiroler Bergen verschwunden sein. Doch schon die Existenz dieses mysteriösen Pataphysikers, also dem Vertreter einer Philosophie der Verkehrungen und fröhlichen Verwirrung, ist ungesichert. Mit Übersetzungen und medialen Umschriften wird dem Unbekannten nachgespürt und seiner Geschichte eine aktuelle Facette hinzugefügt: Unter dem Titel Vent, schreibt Torma, sind poetische Annäherungen, animierte Gedichte und zahlreiche Filmaufnahmen entstanden, die nun als Filmversion zu sehen sind.  „Le bord de la mer“  ist eine filmische, pataphysische  Neuinterpretation des Stoffes, ein visuelles Spiel mit imaginären Lösungen, Sprache und Perspektiven.

Filminfo: „LE BORD DE LA MER“, 2016, HD, 23. Min. Stereo.

Mit dieser Eröffnung gibt A307 das erste mal die Auswahl der ausstellenden Künstlerin ab.
Die im August 2016 gezeigten solenoir – Eva Schörkhuber und Andreas Pavlic – haben Nicole Szolga ausgewählt.
Fünf weitere von  gezeigten Künstler*innen vorgeschlagene Ausstellungen werden folgen!

bann die angst! – sole noir

A307_SN_Ausstellungsansicht_1

 

Globale Welt*

Peter sagt, er sei total verliebt in diese Welt
Peter sagt, er nimmt die Welt, weil sie ihm gut gefällt
Rüdiger sagt, die Politik hat die Entscheidung getroffen Deutschland zu fluten
Rüdiger sagt, wenn die Kanzlerin sagt, Deutschland wird sich verändern, möchte ich gefragt werden

Ja manchen gefällt die Welt, manchen bricht das Herz entzwei und wir sagen ja zur globalen Welt, und wir sagen ja zur globalen Welt

Rüdiger sagt, wenn wir ehrlich sind war Europa meist aus zwei Gründen gut
Rüdiger sagt, dem Euro und der Reisefreiheit
Rüdiger sagt, der Euro ist ein Kapitel für sich und die Reisefreiheit ist nicht mehr grenzenlos
Rüdiger sagt, es bleibt ja nichts mehr übrig, als die Binnengrenzen zu errichten, wenn die Außengrenzen nicht mehr halten

Ja manchen gefällt die Welt, manchen bricht das Herz entzwei und wir sagen ja zur globalen Welt, und wir sagen ja zur globalen Welt

Rüdiger sagt, all unsere Gesetze sind Schönwettergesetze und die sind jetzt ausgehebelt
Rüdiger sagt, die Asylanten fliehen ja nicht mehr, sondern kommen aus Flüchtlingslager
Rüdiger sagt, Flüchtlingslager wo sie zunächst in Sicherheit waren
Rüdiger sagt, wenn sie zu uns kommen sind sie genau genommen Einwanderer

Ja manchen gefällt die Welt, manchen bricht das Herz entzwei und wir sagen ja zur globalen Welt, und wir sagen ja zur globalen Welt

Rüdiger sagt, jetzt rächt sich, dass wir nie eine vernünftige Debatte zur Leitkultur hatten
Rüdiger sagt, also zum Beispiel, dass unsere Verfassung über der Scharia stehen muss.
Rüdiger sagt, dass Grundsätze und Werte wie Gleichberechtigung unantastbar sind.
Rüdiger sagt, selbst in einer Wohlfühlgesellschaft muss darüber gesprochen werden, in welche Kultur integriert werden muss.

Ja manchen gefällt die Welt, manchen bricht das Herz entzwei und wir sagen ja zur globalen Welt, und wir sagen ja zur globalen Welt

Rüdiger sagt, eine Gesellschaft muss doch entscheiden dürfen wer rein kommt und wer nicht
Rüdiger sagt, eine Gesellschaft muss doch entscheiden dürfen wer rein kommt und wer nicht
Petra sagt, sie sei total verliebt in diese Welt
Petra sagt, sie nimmt die Welt weil sie ihr gut gefällt

Wir sind okay und wir sagen ja zur globalen Welt
Wir sind okay und wir sagen ja zur globalen Welt
Wir sind okay und wir sagen ja zur globalen Welt
Wir sind okay und wir sagen ja zur globalen Welt

*Text und Melodie, F.S.K., Moderne Welt, Textteile von Rüdiger aus: Rüdiger Safranski ,
„Deutschland fluten? Da möchte ich gefragt werden“,
http://www.welt.de/politik/deutschland/article146941915/Deutschland-fluten-Da-moechte-ich-gefragt-werden.html, 14.12.2015
**Im Oktober publizierte Botho Strauss im Spiegel (41/2015) einen Text, der viel diskutiert wurde.
Alle Zitate von B sind diesem Text entnommen, der unter http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-139095826.html nachzulesen ist.

 

Singspiel A: Countertenor, B: Botho Strauss alias Der letzte Deutsche**
I.
A: Åber…
B: Manchmal habe ich das Gefühl…
A: … heidschi bumbeidschi,
B: … nur bei den Ahnen noch unter Deutschen zu sein.
A: schlåf långe,
B: Ja, es ist mir, als wäre ich …
A: es is jå dein Muatter ausgånga;
B: … der letzte Deutsche.
A: sie is jå ausgånga und kimmt neamer hoam
B: Ein in heiligen Resten wühlender …
A: und låßt dås kloan Biabele gånz alloan!
B: … Stadt-, Land und Geiststreicher.
A: Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
åber heidschi bumbeidschi bum bum.
II.
B:  Ich bin ein Subjekt der Überlieferung. Der letzte Deutsche, dessen Empfinden und Gedanken verwurzelt ist…
A: Åber heidschi bumbeidschi, schlåf siaße,
B: … in der geistigen Heroengeschichte von Hamann bis Jünger,
A: die Engelen låssn di griaßn!
B: … von Jakob Böhme bis Nietzsche, von Klopstock bis Celan.
A: Sie låssn di griaßn und låssn di frågn,
B: Was aber Überlieferung ist, wird eine Lektion, …
A: ob du in’ Himml spaziern willst fåhrn.
B: … vielleicht die wichtigste, die uns die Gehorsamen des Islam erteilen.
A: Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
åber heidschi bumbeidschi bum bum.
III.
A: Åber …
B: Man wird verdrängt…
A:  heidschi bumbeidschi, in’ Himmel,
B: … nicht mehr von avantgardistischen Nachfolgern,
A: då fåhrt di a schneeweißer Schimml,
B: … sondern von grundsätzlich amusischen Andersgearteten, Islamisten, Mediasten, Netzwerkern, Begeisterten des Selbst.
A: drauf sitzt a kloans Engei mit oaner Låtern,
B: Hüter und Pfleger der Nation in ihrer ideellen Gestalt zu sein:
A: drein leicht’ von’ Himml der ållerschenst Stern.
B: Glaube fest daran – und du wirst zur komischen Figur.
A: Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
åber heidschi bumbeidschi bum bum.
IV.
B: Ich möchte eher in einem aussterbenden Volk leben als in einem, das aus vorwiegend ökonomisch-demografischen Spekulationen mit fremden Völkern aufgemischt, verjüngt wird, einem vitalen.
A: Und der Heidschi bumbeidschi is kumma
B: Die Sorge ist, dass die Flutung des Landes mit Fremden…
A: und håt ma mein Biable mitgnumma;
B: … eine Mehrzahl solcher bringt, die ihr Fremdsein auf Dauer bewahren und beschützen.
A: er håt ma’s mitgnumma
B: Oft bringt erst eine intolerante Fremdherrschaft …
A: und håts neamer bråcht,
B: … ein Volk zur Selbstbesinnung. Dann erst wird Identität wirklich gebraucht.
A: drum winsch i mein’ Biaberl a recht guate Nåcht!
B: Dank der Einwanderung der Entwurzelten wird endlich Schluss sein
A: Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
B: … mit der Nation und einschließlich einer Nationalliteratur.
A: åber heidschi bumbeidschi bum bum.

 

A307_sl_Plakat_WEB_01

 

A307_sn_Aushang