Georg Petermichl – coming soon

In der Drehtür liegt eine Packung Taschentücher. Kurz hat sie den Impuls, sich zu bücken, lässt sie dann aber doch liegen. Auch aus Sorge, selber zum Hindernis in der Drehabfolge zu werden. Stattdessen tritt sie in die Lobby. Auf dem Weg zum Lift nickt ihr die Rezeptionistin kurz zu.  

In ihrer Tasche ist ein Fruchtsalat vom Supermarkt nebenan, und sie freut sich ihn gleich auf ihrem Zimmer essen zu können.
 
aus dem  Text von Eva Seiler.
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Eröffnung | Opening    
07.12.2018
19.00 – 22.00
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Ausstellung | Exhibition
08.12.2018 – 01.01.2019
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this will be our very last show of the shopwindow-series!
come by – have a chat – get a drink!

 

Peter Wechsler – Photographie

 

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Wie eine Streugutkiste der Wiener Straßenmeisterei- MA28 -zu einem Aktionszentrum im Öffentlichen Raum mutiert

Ein beliebter, oft frequentierter Treffpunkt des „Pensionisten“ (altgedienter Strizzi mit dem Altherren-Charme eines gediegenen Pensionisten) und „seinen“ Prostituierten, den dazugehörigen Freiern und anderen Zuhältern liegt am Wege zum Kindergarten im Bereiche der Venediger Au/Stuwerstraße. Hier kreuzen sich die Wege ,die von den U-Bahnstationen der Linien U1-Lassallestraße/Venediger Au und U2-Venediger Au weg-beziehungsweise hinführen; zugleich treffen hier die Wege/Straßenzüge aus der Richtung Ausstellungsstraße, Lassallestraße und Stuwerstraße zusammen. Im Bereiche dieses Kreuzungspunktes steht ,nicht ganz mittig, eine Streugutkiste der Wiener Straßenmeisterei- MA28. An dieser Kiste halten sich immer wieder Freier, Zuhälter, die Stricherinnen und Stricher, Junkies, Hurengaffer und auch andere Passanten auf. Diese Kiste gelegentlich auch als Blackbox– BB- vorgestellt, beschrieben. Im Juni 2009 versuchte ich einen Mann- verdeckten Ermittler ? – aufzunehmen, welcher Mann sich an der Kiste aufhielt, dort herumhantierte. Genau in diesem Augenblick erschien auf dem Display meiner Kamera die Anzeige „Objektschutz“(Rote Schrift, Schwarzer Displayhintergrund), wofür ich bis heute keine plausible Erklärung finden konnte. (Gebrauchsanleitung, telephonische Anfrage beim Kamerahersteller in Deutschland brachten keine befriedigende Auskunft. Wohl in einem Anflug überbordender Phantasie, auch genährt durch den Konsum einschlägiger TV-Serien wie etwa CSI- amerikanischer Provenienz , dachte ich zunächst an eine „Tarnkappe“ des besagten Akteurs, an eine technische Vorrichtung, die das Photographieren eines Objektes- sei es Gebäudes (militärischer Einrichtung), eines Akteurs oder eben einer Streugutkiste- vorübergehend verunmöglichen könnte. Angesichts des in aller Regel wohl bescheidenen Equipments der Wiener Polizei (??), bezweifle ich mittlerweile diese meine Interpretation. Viel eher waren es meine Phantasie, eine möglicherweise ins Kameraobjektiv ragende Ranke meiner Balkon- Passiflora welche hier Pate gestanden sind, mich zu dieser etwas abenteuerlichen Annahme (Tarnkappe) verleitet haben. Die simple Erklärung für die Displayanzeige wäre dann: Objektivschutz. Dennoch möchte ich beim Terminus Blackbox (BB) = Streugutkiste bleiben, da diese Kiste, diese Örtlichkeit, eine unerschöpfliche Informationsquelle darstellt- darstellen könnte- so wie dies bei einem Flugschreiber eines Flugzeugs der Fall ist.

Die Präsenz der hier an der BB Zusammentreffenden und Verweilenden ist gelegentlich eine lange andauernde; hier werden zahllose Gespräche geführt, die Einkäufe vom nahegelegenen BILLA resp. PENNYMARKT abgestellt; es wird getafelt und getrunken, auch geschrieben und gelesen; Honorare werden ausbezahlt usw. etc…. Viele meiner Photos der diversen AkteurInnen sind während ihrer Anwesenheit an diesem Ort entstanden. So wird dieses an sich bescheidene, unscheinbare Objekt immer wieder einmal Requisit für meine Aufnahmen von und mit einzelnen Szeneakteurinnen und Szeneakteuren. Außerdem ist es immer wieder anregend zu beobachten, wie sich die einzelnen Personen rund um diese Kiste bewegen- Stichwort Alltagschoreographie. Einerseits bildet die BB ein Hindernis- wie etwa ein Felsbrocken in einem fließenden Gewässer- welches Hindernis umflossen wird, an welches Treibgut herangespült wird und wo dann auch immer wieder der eine und die andere unwillkürlich hängen bleiben, stranden; andererseits ist die Kiste auch das anzusteuernde Ziel. Sie ist dann der anvisierte Treffpunkt der hier Zusammenkommenden. Etliche AkteurInnen vor Ort (Stuwerviertel) verbringen einen Gutteil des Tages auf der Straße, so dass für sie die BB zum gerne benutzten Möbel wird- sei es als Tisch, Abstützgelegenheit, Sitzbank oder Schreibunterlage. Dieser Nutzung der Schwarzen Kiste kommt auch der Umstand zugute, dass ihre horizontale Abdeckung (Verblechung) für einen Passanten, potentiellen Nutzer von durchschnittlicher Körpergröße (170-175cm) in idealer Höhe abschließt. Die genauen Ausmessungen der BB sind: Höhe 122cm; Länge 178cm; Breite 92cm. Die Perspektive vom Standort der Streugutkiste aus, ihrem näheren Umfeld, ist eine geeignete, um Einblick in das Geschehen in der Stuwerstraße, der angrenzenden Venediger Au im Abschnitt zwischen Ausstellungsstraße- Arnezhoferstraße und weiter bis in den Bereich der Ybbsstraße zu erhalten. Die hier bisweilen lange wartenden Freier haben Sicht auf den Lehenbauer- Puff in der Stuwerstraße; sie erkennen an der Präsenz des an / vor der Türe lehnenden Besens *** , ob ihre Kabine frei, „ihre“ bestellte Frau schon bereit für das Stelldichein ist. Die Platzierung der BB bedeutet: ein idealer Treffpunkt für Aktivitäten aller Art und auch für die zwischendurch notwendigen Ruhepausen.

*** Der bereits legendäre, allen Anrainern viele Jahre hindurch wohl vertraute Besen- Gelbe Plastikborsten- seit Wochen nicht mehr zu sehen- Stand Anfang Jänner 2014. Zwei ausgedient habende Besenexemplare hat mir Emmerich Lehenbauer ausgefolgt- einen Grünen und einen Gelben. Ich vermute aufgrund von Andeutungen, dass die Besen einer polizeilichen Intervention zum Opfer gefallen sind; in deren Folge wurde es dem Puffbetreiber EL nicht mehr erlaubt, diese Requisiten- Besen- vor die Eingangstüre seiner Lokalität („Zimmervermietung“, „Rote Laterne“) zu positionieren. Allerdings vermag ich in dieser Intervention keinen Sinn in Richtung „Verbesserung “ der Lage vor Ort zu erkennen…. .

Nachtrag vom Oktober 2012

Die vertraute Kiste, die BB, fehlt am lang gedienten Standort. Als ich am Nachmittag des 22.10.2012 das Atelier verlasse, steht die Blackbox noch an Ort & Stelle. Am Morgen des 23.10.2012- auf dem Weg zur Arbeit- bemerke ich das Fehlen der BB. Die Kiste ist demontiert worden, lediglich der Abdruck am Boden- bedingt durch das jahrelange Stehen an dieser Stelle, ein Häufchen Schotter, zeugen von der früheren Präsenz dieses Objektes. Ich will die Demontage erst gar nicht deuten: sie ist weg und wird wohl an dieser Stelle nicht mehr errichtet werden, wohl auch nicht in Gestalt eines zeitgemäßeren Designs. Die entstandene Leerstelle bleibt eine solche und ich werde mich wohl bald damit arrangiert haben.

Die vom ursprünglichen Platz demontierte Kiste steht nun am Wege (Verlängerung Ybbsstraße) zur Jugendsportanlage. Ihre besondere, privilegierte Stellung hat sie in Nachbarschaft der dort aufgestellten Container (Glas, PET- Flaschen, Papier, Metall und Humana- Sammelbox) eindeutig eingebüsst. Sie muss gelegentlich als Sichtschutz für hinter ihr / an ihr brunzenden Mannsbildern herhalten. Eine eindeutige Degradierung gegenüber dem früheren Dasein!

Mittlerweile ist die Streugutkiste ganz entfernt worden; sie ist auch an ihrem zweiten, späten- Ausgedinge Standort nicht mehr anzutreffen. Und so wie mit den Besen, der Blackbox, so verhält es sich auch mit Emmerich Lehenbauer : er ist- wohl nicht ganz freiwillig- in den Ruhestand getreten, hat sein Etablissement geschlossen. Es befindet sich jetzt an besagter Adresse eine Betriebsstätte gänzlich anderer Art. …

© Peter Wechsler

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soon we will have our next show in the A307 shop-window.
this will be the last show in 2017 by Peter Wechsler.
there will be two more shows in early 2018 to complete the series of 12 exhibitions.

STOFF – Myriam Khouri & Leonie Schwitalla

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© Leonie Schwitalla

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Von den Kerzen, die auf kleinen an der Wand angebrachten Ablagebrettchen standen, ging ein Leuchten aus, das sich auf den Gesichtern der Gruppe ausbreitete. Ein Mann badete seine Fingerspitzen in dem flüssigen Wachs. Ich hätte mich gerne in diese Gruppe eingeschlichen, um ebenfalls das heiße Wachs auf meinen Fingerkuppen trocknen zu lassen und Teil der eingeschworenen Gemeinschaft zu sein, deren Gespräch leise um die Köpfe schwirrte, Worte, die nur die Eingeweihten verstanden. Doch ich kannte sie nicht, erkannte niemanden. Ich trank weiter aus meinem Glas, das beinahe leer war. Ich sah Henriette hinter der halb geöffneten Tür zu dem großen Zimmer, sah das Profil der hohen Frau hinter dem weißlackierten Holz des Türflügels auftauchen und verschwinden. Sie lachte bog sich dabei nach vorne, schnellte zurück und verschwand aus meinem Blickfeld. Schließlich blieb ihr Kopf halb abgeschnitten von dem Türflügel auf Henriettes Gesichtshöhe stehen. Ich sah gespannt zu ihnen hin, sah wie Henriette ihre Hand hob und der hohen Frau mit den Fingerspitzen über den Unterkieferknochen strich. Eine flüchtige etwas verschämte Geste, dann trennten sie sich, gingen jeder in eine andere Richtung. Ich löste mich von der Wand und folgte der mir Unbekannten.

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© Myriam Khouri

 

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Agnes glaubte sich allein in der Küche, während sie ihr Glas unter dem Wasserhahn füllte. Als sie sich umdrehte, das Glas schon an die Lippen hob, um zu trinken, stand eine große Frau im Türrahmen. Die nach hinten geklappte Kapuze umgab ihren langen Hals wie ein Schutzwall. Agnes Blick fuhr an dem ihr unbekannten und sie mit einer seltsamen Verlegenheit erfüllenden Gesicht vorbei und blieb hängen an bleichen Haarspitzen, die sorgfältig um die Ohrmuscheln herum geschnitzt waren. Die Frau blieb unbewegt stehen, als überlegte sie, ob sie die Küche betreten dürfe, wenn Agnes darin war. Sie schüttelte die Bedenken, von denen Agnes nur vermutete, dass sie ihr durch den Kopf gegangen waren, ab, ging zum Wasserhahn, spülte ihr Glas aus und füllte es ebenfalls mit Wasser. Die Bewegungen, zielgerichtet, von einer Eleganz begleitet, die ganz selbstverständlich aus ihren langen Armen floss. Agnes lehnte sich an die Anrichte und senkte den Blick, sah die schwarzen Turnschuhe mit den schaumigen Sohlen, die hohen Beine, umspannt von festem Stoff. Als sie sich überwand in das Gesicht der Frau zu sehen, traf sie ein entblätternder Blick. Agnes, von einem schamhaften Gefühl durchzuckt, schaute unsicher zurück in diese fremden Augen über dem dünnen Hals, die zaghaft eckigen Nasenflügel. Die Luft füllte sich mit Sätzen, die gesagt werden könnten, doch keine von beiden hob die Stimme. Die hohe Frau, wie Agnes sie in ihren Gedanken nannte, hielt ihr Glas an die Lippen, rollte es darauf hin und her, sah Agnes weiter an. Als sie trank, glaubte Agnes das Wasser zu sehen, wie es in ihren Hals floss. Sie dachte an den langen dunklen Gegenstand und die Worte des Architekten, beides flog vorbei, sie öffnete den Mund, sah weiter schweigend zu, wie die Frau das Glas leerte, spürte eine Trockenheit und in der Stille einen Wunsch, den sie nicht benennen durfte, aber auch nicht niederringen konnte- pochend stand sie, immer noch in ihr Schauen versunken, als die Andere das leere Glas neben der Spüle abstellte, mit einer entschlossenen Bewegung und, ohne Agnes noch einmal anzusehen, die Küche verließ. Das leer getrunkene Glas hob sich von den anderen Dingen in der Küche ab, es strahlte vor Agnes` Augen, von einem Rautenmuster durchflossen und zersprang auf den Keramikfließen. Agnes wich erschrocken zurück, jemand kam herein, suchte nach einer Kehrschaufel, fegte die Scherben zusammen. Ungeschickt versuchte sie, dem jungen Mann zu helfen, der die Scherben beseitigte, entschuldigte sich mit zitternder Stimme. Er sagte, das passiert, hatte schnell alles aufgewischt und verließ die Küche, Agnes ging wenige Schritte hinter ihm her, nur um den eng gewordenen Raum zu verlassen.

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© Myriam Khouri

 

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Mit dieser Eröffnung gibt A307 ein weiteres mal die Auswahl der ausstellenden Künstlerin ab. Die im Mai 2016 gezeigte Künstlerin – Elisabeth Greinecker– hat Myriam Khouri ausgewählt.

Katharina Aigner feat. Anna Barfuss, Nadine Fraczkowski, Josefin Granqvist

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I´d like to film there, in my own style of documentary bordering on fiction.
I´d like to shoot everything. Everything that moves me. Faces, streets, cars going by and buses, train stations and plains, rivers and oceans, streams and books, trees and forests, fields and factories and yet more faces.
(from: Chantal Akerman, too far too close, Catalogue, Ludion 2012, p.21)

 

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We digged in our archives. You´ll see short clips, fragments, excerpts, sequences from our daily lives, filmed with our phones during travels, in passing; 
originally not meant to become proper video works these flickering, pixelated, sometimes shaky images, in and out of focus, high sized, show places, strangers, 
intimates, dogs, Laura Mulvey, my sister, mountains, valleys and more. An attempt to expand the projection screen, to look behind and to experience powerful outlooks.
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Katharina Aigner, based in Vienna, is mainly concerned with moving image.
Besides her own artistic practice she´s regularly initiating and curating video and film programs.
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Anna Barfuss works predominantly with video and text. She is currently writing her dissertation in cultural studies, which deals with hyperfeminine performances in
video and sound. On occasion, she also curates exhibitions that present moving images and sound-based works in various spaces and formats.
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Nadine Fraczkowski is a photographer living and working between Paris and Berlin.
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Josefin Granqvist is a looker and a romantisizist, carrying with her an ever extensive archive of partly populated fragments and physical factoids.
She was born in Southern Sweden and her back is sore. (no known home)

 

 

Mit dieser Eröffnung gibt A307 ein weiteres mal die Auswahl der ausstellenden Künstlerin ab. Die im Juli 2017 gezeigte Künstlerin – Lisa Kortschak – hat Katharina Aigner ausgewählt.

LE BORD DE LA MER – Nicole Szolga

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Eine szenische Crossover-Lese- und Videoperformance mit anschließender Film-Präsentation: Der französische Schriftsteller Julien Torma soll, so will es die literarische Legende, in den Tiroler Bergen verschwunden sein. Doch schon die Existenz dieses mysteriösen Pataphysikers, also dem Vertreter einer Philosophie der Verkehrungen und fröhlichen Verwirrung, ist ungesichert. Mit Übersetzungen und medialen Umschriften wird dem Unbekannten nachgespürt und seiner Geschichte eine aktuelle Facette hinzugefügt: Unter dem Titel Vent, schreibt Torma, sind poetische Annäherungen, animierte Gedichte und zahlreiche Filmaufnahmen entstanden, die nun als Filmversion zu sehen sind.  „Le bord de la mer“  ist eine filmische, pataphysische  Neuinterpretation des Stoffes, ein visuelles Spiel mit imaginären Lösungen, Sprache und Perspektiven.

Filminfo: „LE BORD DE LA MER“, 2016, HD, 23. Min. Stereo.

Mit dieser Eröffnung gibt A307 das erste mal die Auswahl der ausstellenden Künstlerin ab.
Die im August 2016 gezeigten solenoir – Eva Schörkhuber und Andreas Pavlic – haben Nicole Szolga ausgewählt.
Fünf weitere von  gezeigten Künstler*innen vorgeschlagene Ausstellungen werden folgen!

bann die angst! – sole noir

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Globale Welt*

Peter sagt, er sei total verliebt in diese Welt
Peter sagt, er nimmt die Welt, weil sie ihm gut gefällt
Rüdiger sagt, die Politik hat die Entscheidung getroffen Deutschland zu fluten
Rüdiger sagt, wenn die Kanzlerin sagt, Deutschland wird sich verändern, möchte ich gefragt werden

Ja manchen gefällt die Welt, manchen bricht das Herz entzwei und wir sagen ja zur globalen Welt, und wir sagen ja zur globalen Welt

Rüdiger sagt, wenn wir ehrlich sind war Europa meist aus zwei Gründen gut
Rüdiger sagt, dem Euro und der Reisefreiheit
Rüdiger sagt, der Euro ist ein Kapitel für sich und die Reisefreiheit ist nicht mehr grenzenlos
Rüdiger sagt, es bleibt ja nichts mehr übrig, als die Binnengrenzen zu errichten, wenn die Außengrenzen nicht mehr halten

Ja manchen gefällt die Welt, manchen bricht das Herz entzwei und wir sagen ja zur globalen Welt, und wir sagen ja zur globalen Welt

Rüdiger sagt, all unsere Gesetze sind Schönwettergesetze und die sind jetzt ausgehebelt
Rüdiger sagt, die Asylanten fliehen ja nicht mehr, sondern kommen aus Flüchtlingslager
Rüdiger sagt, Flüchtlingslager wo sie zunächst in Sicherheit waren
Rüdiger sagt, wenn sie zu uns kommen sind sie genau genommen Einwanderer

Ja manchen gefällt die Welt, manchen bricht das Herz entzwei und wir sagen ja zur globalen Welt, und wir sagen ja zur globalen Welt

Rüdiger sagt, jetzt rächt sich, dass wir nie eine vernünftige Debatte zur Leitkultur hatten
Rüdiger sagt, also zum Beispiel, dass unsere Verfassung über der Scharia stehen muss.
Rüdiger sagt, dass Grundsätze und Werte wie Gleichberechtigung unantastbar sind.
Rüdiger sagt, selbst in einer Wohlfühlgesellschaft muss darüber gesprochen werden, in welche Kultur integriert werden muss.

Ja manchen gefällt die Welt, manchen bricht das Herz entzwei und wir sagen ja zur globalen Welt, und wir sagen ja zur globalen Welt

Rüdiger sagt, eine Gesellschaft muss doch entscheiden dürfen wer rein kommt und wer nicht
Rüdiger sagt, eine Gesellschaft muss doch entscheiden dürfen wer rein kommt und wer nicht
Petra sagt, sie sei total verliebt in diese Welt
Petra sagt, sie nimmt die Welt weil sie ihr gut gefällt

Wir sind okay und wir sagen ja zur globalen Welt
Wir sind okay und wir sagen ja zur globalen Welt
Wir sind okay und wir sagen ja zur globalen Welt
Wir sind okay und wir sagen ja zur globalen Welt

*Text und Melodie, F.S.K., Moderne Welt, Textteile von Rüdiger aus: Rüdiger Safranski ,
„Deutschland fluten? Da möchte ich gefragt werden“,
http://www.welt.de/politik/deutschland/article146941915/Deutschland-fluten-Da-moechte-ich-gefragt-werden.html, 14.12.2015
**Im Oktober publizierte Botho Strauss im Spiegel (41/2015) einen Text, der viel diskutiert wurde.
Alle Zitate von B sind diesem Text entnommen, der unter http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-139095826.html nachzulesen ist.

 

Singspiel A: Countertenor, B: Botho Strauss alias Der letzte Deutsche**
I.
A: Åber…
B: Manchmal habe ich das Gefühl…
A: … heidschi bumbeidschi,
B: … nur bei den Ahnen noch unter Deutschen zu sein.
A: schlåf långe,
B: Ja, es ist mir, als wäre ich …
A: es is jå dein Muatter ausgånga;
B: … der letzte Deutsche.
A: sie is jå ausgånga und kimmt neamer hoam
B: Ein in heiligen Resten wühlender …
A: und låßt dås kloan Biabele gånz alloan!
B: … Stadt-, Land und Geiststreicher.
A: Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
åber heidschi bumbeidschi bum bum.
II.
B:  Ich bin ein Subjekt der Überlieferung. Der letzte Deutsche, dessen Empfinden und Gedanken verwurzelt ist…
A: Åber heidschi bumbeidschi, schlåf siaße,
B: … in der geistigen Heroengeschichte von Hamann bis Jünger,
A: die Engelen låssn di griaßn!
B: … von Jakob Böhme bis Nietzsche, von Klopstock bis Celan.
A: Sie låssn di griaßn und låssn di frågn,
B: Was aber Überlieferung ist, wird eine Lektion, …
A: ob du in’ Himml spaziern willst fåhrn.
B: … vielleicht die wichtigste, die uns die Gehorsamen des Islam erteilen.
A: Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
åber heidschi bumbeidschi bum bum.
III.
A: Åber …
B: Man wird verdrängt…
A:  heidschi bumbeidschi, in’ Himmel,
B: … nicht mehr von avantgardistischen Nachfolgern,
A: då fåhrt di a schneeweißer Schimml,
B: … sondern von grundsätzlich amusischen Andersgearteten, Islamisten, Mediasten, Netzwerkern, Begeisterten des Selbst.
A: drauf sitzt a kloans Engei mit oaner Låtern,
B: Hüter und Pfleger der Nation in ihrer ideellen Gestalt zu sein:
A: drein leicht’ von’ Himml der ållerschenst Stern.
B: Glaube fest daran – und du wirst zur komischen Figur.
A: Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
åber heidschi bumbeidschi bum bum.
IV.
B: Ich möchte eher in einem aussterbenden Volk leben als in einem, das aus vorwiegend ökonomisch-demografischen Spekulationen mit fremden Völkern aufgemischt, verjüngt wird, einem vitalen.
A: Und der Heidschi bumbeidschi is kumma
B: Die Sorge ist, dass die Flutung des Landes mit Fremden…
A: und håt ma mein Biable mitgnumma;
B: … eine Mehrzahl solcher bringt, die ihr Fremdsein auf Dauer bewahren und beschützen.
A: er håt ma’s mitgnumma
B: Oft bringt erst eine intolerante Fremdherrschaft …
A: und håts neamer bråcht,
B: … ein Volk zur Selbstbesinnung. Dann erst wird Identität wirklich gebraucht.
A: drum winsch i mein’ Biaberl a recht guate Nåcht!
B: Dank der Einwanderung der Entwurzelten wird endlich Schluss sein
A: Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
B: … mit der Nation und einschließlich einer Nationalliteratur.
A: åber heidschi bumbeidschi bum bum.

 

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